Kontrollräume gehören zu den anspruchsvollsten Arbeitsumgebungen in der modernen Infrastruktur. Sie sind rund um die Uhr in Betrieb, verwalten hochkomplexe Systeme und unterstützen Entscheidungen mit unmittelbaren und weitreichenden Konsequenzen. Ob im Verkehrs-, Energie-, Sicherheits- oder Rettungswesen – die Zuverlässigkeit eines Kontrollraums hängt nicht nur von der Technologie ab, sondern auch von der Qualität der Interaktion zwischen Menschen, Raum und Systemen.
Theoretisch sind die Anforderungen an einen gut gestalteten Kontrollraum klar und allgemein anerkannt. Eine angemessene Raumhöhe und Grundfläche, gut gestaltete Verkehrs- und Fluchtwege, Doppelböden für eine flexible Verkabelung, kontrollierte Lichtverhältnisse und uneingeschränkte Sichtlinien bilden die physische Grundlage. Die Planung folgt einer Inside-Out-Logik: Der Raum passt sich dem Bediener an, nicht umgekehrt.
In der Realität beginnt die Planung von Kontrollräumen jedoch selten mit einem leeren Blatt Papier. Bei den meisten Projekten müssen bestehende Gebäude, alte Infrastruktur und feste räumliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Die Deckenhöhen können begrenzt sein, die Kabelwege vorgegeben und Ausweich- oder Krisenräume fehlen möglicherweise gänzlich. Selbst wenn ergonomische Standards und Arbeitsabläufe vollständig verstanden werden, führen diese Einschränkungen unweigerlich zu Kompromissen.
Entscheidend ist nicht, ob Kompromisse gemacht werden, sondern wie sie gehandhabt werden. Eine intelligente Kontrollraumgestaltung berücksichtigt physische und organisatorische Grenzen und bewahrt gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und langfristige Betriebsleistung.
Die Erfahrung aus kritischen Infrastrukturprojekten zeigt, dass isolierte Optimierungen nicht funktionieren. Raum, Technologie, Organisation und Menschen müssen als integriertes System geplant werden. Dieser ganzheitliche Ansatz spiegelt sich konsequent in internationalen Normen wie ISO 11064 und in aktuellen Richtlinien zur Kontrollraumplanung wider.
Ein zukunftsfähiger Kontrollraum muss von Grund auf widerstandsfähig sein. Dazu gehören strukturelle und organisatorische Reserven, die eine Skalierung des Betriebs in Krisensituationen ermöglichen, sowie ausreichende Flexibilität, um Veränderungen im Laufe der Zeit Rechnung zu tragen. Kontrollräume müssen in der Regel bis zu dreißig Jahre lang betriebsbereit bleiben. Innerhalb dieses Zeitraums sind mehrere Technologiegenerationen und Reinvestitionszyklen unvermeidlich, oft ohne Unterbrechung des Betriebs.
Ohne ausreichende räumliche, technische und organisatorische Reserven stoßen viele Kontrollräume bereits nach zehn bis fünfzehn Jahren an ihre Grenzen. Strategische Planung bedeutet daher, nicht nur für die heutigen Anforderungen zu planen, sondern auch für unbekannte Zukunftsszenarien. Modularität, Skalierbarkeit und klar definierte Erweiterungsreserven sind unerlässlich, um kostspielige Nachrüstungen und Betriebsrisiken zu vermeiden.
Die räumliche Gestaltung eines Kontrollraums hat direkten Einfluss auf Konzentration, Kommunikation und Entscheidungsfindung. So müssen beispielsweise Verkehrswege klar definiert und frei von unnötigen Kreuzungen sein, insbesondere dort, wo Besucherbewegungen die Bediener ablenken könnten. Visuelle Verbindungen zwischen den Bedienerplätzen und den Überwachungs- oder Aktionsbereichen sind nicht nur architektonische Präferenzen, sondern funktionale Anforderungen, die das Situationsbewusstsein unterstützen.
Die Arbeitsplätze der Bediener bilden den Kern des Mensch-Maschine-Systems. Sie müssen an individuelle Bedürfnisse anpassbar sein und während langer Schichten unterschiedliche Körperhaltungen, Reichweiten und Sichtabstände ermöglichen. Elektrisch höhenverstellbare Arbeitsplatten, flexible Monitorpositionierung und professionelle 24/7-Sitzmöbel sind keine Komfortmerkmale, sondern unverzichtbare Hilfsmittel, um Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu erhalten.
Ebenso wichtig ist die Wartungsfreundlichkeit. Kontrollräume sind ständig in Betrieb, sodass kaum Zeit für Ausfallzeiten bleibt. Technische Abteile müssen für Wartungsarbeiten und zukünftige Integrationen leicht zugänglich sein, die Materialien müssen intensiver Reinigung standhalten und Verschleißteile müssen ohne Betriebsunterbrechung ausgetauscht werden können. Ergonomie geht in diesem Sinne weit über die Körperhaltung hinaus – sie umfasst den gesamten Lebenszyklus des Arbeitsplatzes.
Die Kontrollräume von heute bewältigen ein beispielloses Maß an Komplexität. Tausende von Signalen, Anlagen und Systemen müssen in Echtzeit überwacht und gesteuert werden, oft über verteilte Standorte hinweg. Mit dem Wachstum der Systeme wächst auch die Anzahl der Anwendungen, Schnittstellen und Verfahren, die die Bediener beherrschen müssen. Das Ergebnis sind häufig fragmentierte Arbeitsabläufe und lange Einarbeitungszeiten.
Technologie allein kann diese Komplexität nicht lösen. In vielen Fällen verstärkt sie sie sogar noch. Die Herausforderung besteht daher nicht darin, weitere Systeme hinzuzufügen, sondern eine effiziente Interaktion zwischen Mensch und Technologie zu gestalten.
Menschen und Maschinen bringen unterschiedliche Stärken in den Kontrollraumbetrieb ein. Menschen verfügen über Kontextverständnis, ethisches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, sich an unerwartete Situationen anzupassen. Technologie bietet Geschwindigkeit, Konsistenz und die Fähigkeit, große Datenmengen zu verarbeiten.
Künstliche Intelligenz befindet sich an der Schnittstelle dieser Fähigkeiten. In Kontrollräumen sollte KI nicht mit Automatisierung gleichgesetzt werden. Ihr Hauptnutzen liegt darin, menschliche Entscheidungen zu unterstützen, nicht sie zu ersetzen.
Daraus ergibt sich ein klares Gestaltungsprinzip: KI sollte Erkenntnisse verstärken, Automatisierung sollte die Ausführung unterstützen, aber die Verantwortung muss beim menschlichen Bediener liegen. Dieses Prinzip ist in sicherheitskritischen Umgebungen, in denen Verantwortlichkeit, Transparenz und Vertrauen unverzichtbar sind, von entscheidender Bedeutung.
Die Praxis zeigt, dass KI besonders effektiv sein kann, wenn sie als Entscheidungshilfe für Vorgesetzte eingesetzt wird und eher Vorschläge als Befehle liefert. Sie kann auch die Ausbildung und Personalentwicklung verbessern, indem sie Lernpfade an individuelle Erfahrungsstufen anpasst. Gleichzeitig erfordert nicht jede Verbesserung den Einsatz von KI. Klare Leistungskennzahlen und gut konzipierte Prozesse bringen oft erhebliche Vorteile, ohne die Komplexität zu erhöhen.
Der Kontrollraum von morgen ist kein technologisches Vorzeigeprojekt. Es handelt sich um eine sorgfältig ausgewogene Umgebung, in der ergonomisches Design, robuste Architektur und intelligente Systeme die Menschen dabei unterstützen, unter Druck qualitativ hochwertige Entscheidungen zu treffen.
Solche Umgebungen berücksichtigen reale Einschränkungen, entsprechen internationalen Standards und bleiben über Jahrzehnte des kontinuierlichen Betriebs anpassungsfähig. Sie schützen die Gesundheit der Bediener, reduzieren die kognitive Belastung und stärken die Widerstandsfähigkeit der Organisation.
Letztendlich wird der Erfolg eines Kontrollraums nicht an der Ausgereiftheit seiner Technologie gemessen, sondern daran, wie zuverlässig die Menschen darin arbeiten können.
Kognitive, organisatorische und physische Ergonomie sind daher keine Designpräferenz. Sie sind eine strategische Voraussetzung für Sicherheit, Leistung und Belastbarkeit in kritischen Betriebsabläufen.
Dezember 2025
Tim Holzapfel, CEO Knürr GmbH
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